In einem Fenster ist ein opulentes Schlafzimmer ausgestellt, wie gemacht für eine Hochzeitsnacht. Alles in Gold, das Bett mit einem dramatisch geschwungenen Gestell. Die Kissen und Decken mit Tüll und Schleifen drapiert.
“Schön, nicht?”, fragt plötzlich eine Mädchenstimme auf deutsch. Hinter uns steht eine Studentin mit ihrer Familie: Mutter, Tante und Cousin. Emine ist 18 und studiert Medizin und Deutsch. Eine ihrer Verwandten wohnt in Stuttgart. Dort möchte sie gern zum Austauschsemster hin.
Ihre Tante, eine kleine runde Frau, die immer zu lachen scheint, ist völlig begeistert von uns, klemmt uns unter den Arm und lädt uns zum Essen nach Hause ein. Wiederspruch zwecklos.
Eine halbe Stunde später sitzen wir in ausladenden weißen Polstersesseln. Das Wohnzimmer ist von ähnlichem Stil wie das Schlafzimmer im Schaufenster, nur in weiß. Die Tante führt uns durch die ganze Wohnung, Bad, Küche, Schlafzimmer, Kinderzimmer mit Stockbett aus Holz und einem Schreibtisch. “Hier habe ich meine drei Kinder großgezogen,” sagt sie stolz. “Es ist klein, aber ich habe mir viel Mühe gegeben.”
Das Zimmer sei jederzeit für uns frei, wenn wir nach Istanbul kommen, sagt sie. Muhammet, ihr Sohn und Emines Cousin, entschuldigt sich für die Überschwänglichkeit seiner Mutter. “Sie freut sich immer so, wenn Besuch da ist. Sie muss einfach immer Leute einladen,” sagt er. Sie habe Freunde aus Frankreich und Deutschland, auch wenn sie sich gar nicht mit ihnen unterhalten könne, denn sie spricht nur Türkisch. Er selbst kann fließend Englisch und lernt gerade Chinesisch.
Es dauert nicht lange, da stehen gekochte Kichererbsen und Kartoffelcurry, Börek, Köfte, Yoghurtdip, Süßspeisen und jede Menge Simit auf dem Tisch. Emines Tante feuert uns immer wieder zum Essen an, dabei hatten wir uns vorher schon in einer Bäckerei durch das Baklava-Sortiment geschlemmt.
Emine erzählt von ihrem Studium und dass sie gern Ärztin werden möchte. Und sie beschwert sich über ihren Cousin, der sich immer bedienen und von ihr Tee nachschenken lässt. “Wir Frauen arbeiten zu viel,” sagt sie und schaut ihn ein wenig vorwurfsvoll an. “So ist es Tradition in unserer Familie,” entgegnet er und grinst nur.
Muhammet ist Offiziersanwärter bei der Polizei. Er schärft uns ein, niemandem in der Tükei zu vertrauen und mit niemandem mitzugehen. “Es gibt viele schlechte Leute hier,” sagt er. Wir nicken, aber freuen uns innerlich, in diesem Fall alle guten Ratschläge in den Wind geschlagen zu haben.
Zum Abschied schenkt Emines Tante uns je ein paar Socken, eine Platiskrose und eine Tube Handcreme und heisst uns unbedingt wieder zu kommen, wenn wir wieder in Istanbul sind. Wir wissen immer noch kaum wie uns geschieht und bedanken uns mit viel Händeschütteln und Wangenküssen.
Einen herzlicheren Abschied von dieser wundervolen Stadt kann man sich kaum vorstellen.








